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Rundbrief No. 1

Autor: LanriannaPeters | Datum: 19 Februar 2016, 12:25 | 4 Kommentare

 

Dumelang alle zusammen! 
Grüße aus der weit entfernten Stadt Gabane! Gelegend in Botswana – 13.188 km (Google Map – Angabe)  weit weg von meiner Heimatstadt Stade – getrennt vom Mittelmeer und etliche andere Gewässer.
Wer schickt diese Grüße? Ihr kennt mich unter den Namen Lanrianna oder Lanni. Hier habe ich noch mehr Namen: Lari, Lami, Lame, Lekgoa, Germany, Dintle, Lina … Dintle Mogotsi, das ist mein setswanischer Name hier. Es bedeutet „Schönheit“.
Ja, ich habe etliche Namen. Und doch kann ich in diesem Rundbrief nur aus einer Sicht – meiner – berichten, wie mein Leben hier in Gabane ist, was ich hier erlebe, was ich sehe, was ich denke. Ich kann weder von Leben in „ganz Botswana“, sprechen, geschweige denn von „Afrika“. 
Viel Spaß beim Lesen meines ersten Rundbriefes! J
In dieser Ferne ist die Bibelstelle meiner Konfirmation ein guter Begleiter Isa 43, 1-2:
 „Do not fear, for I have redeemed you; 
I have summoned you by name; you are mine. 
When you pass through the water, I will be with you;
And when you pass through the rivers, they will not sweep you over. 
When you walk through the fire, you will not be burned; 
the flames will not set you ablaze.”
Ja, ich brauche nichts zu fürchten. Denn Gott ist ein ständiger Begleiter von mir. Um an mein Ziel Botswana zu kommen, musste ich Gewässer überfliegen, tausende Kilometer zurücklegen, um dann von der Hitze der Mittagssonne begrüßt zu werden.
Ankunft / Familie:
Nach gut 22 1/2h Hinreise ohne Jetlag und ohne große Probleme habe ich am 11. November botswanischen Boden betreten. Ich wurde herzlichst von Tsweks, meinem Mentor, und meinen inzwischen Freundinnen Baba und Nono in der botswanischen Hauptstadt Gabarone – 20min Fahrt entfernt von Gabane – empfangen. Die Sonne hat mich strahlend mit ungewohnten 43°C begrüßt. 
Nachdem wird den Geburtstag der Zwillinge über Pizza und Burger gefeiert haben, habe ich mein neues Zuhause kennengelernt: Meine Großmutter Nkuku (Letty Mogotsi, 81 Jahre) und mein Großvater Ntatemogolo (Tladi Mogotsi, 83 Jahre), sowie meine große Schwester Amantle (24 Jahre). Über Neujahr sind auch Mma Felleng (35 Jahre), Lehlohonolo (14 Jahre), Pinky (11 Jahre) und Mpho (2 Jahre) hinzugezogen, wodurch ich jetzt auch offiziell eine Rolle der großen Schwester übernehme. Inoffiziell war ich schon Ende 2015 eine große Schwester und Freundin, da ich oft mit den Nachbarskindern gespielt habe, sportlich mit denen tätig war, sowie oft auf meine Cousins und Cousinen aufgepasst habe. 
Mein Tätigkeitsbereich als Freiwillige:
Ich arbeite in Kgothatso, ein Day Care und Orphan Care, welches momentan 30 O.V.C.s (Orphans and Vulnerable Children) unterstützt. 
Dort arbeite ich als Assistenz: als Assistenzlehrerin für die „Babyclass“ und als technische Assistenz, die deren Projekte, Events u.a. dokumentiert. 
Neben der „Babyclass“, die aus 28 Kindern besteht, dessen Name ich alle zu beherrschen lerne, gibt es noch die „Receptionclass“ aus denjenigen, die kommendes Jahr graduieren und in die Grundschule gehen werden. 
Insgesamt sind wir 6 Mitarbeiter: Mma Mogatlenyane, Mma Monareng, Mma Malletag, Mma Seele und Mma Monametsi. Täglich zaubert Mma Monametsi für Kgothatso gutes gesundes Essen wie z.B. typische Spaghetti, zum Frühstück typisch botswanisch Motogo, Dinawa (Bohnen), Seswaa (Fleischgericht), Pap, marinierte Hähnchen mit Pommes, Reis mit Gemüsesuppe, Spinat etc. 
Zusammen mit Mma Monareng bin ich für die Babyclass, also für die 2 und 3-jährigen, zuständig.
 In der Receptionclass, die von Mma Malletach und Mma Mogatlenyane geleitet wird, werden diese Basics erweitert.
Inhaltlich wird in der Preschool Setswana, English, Mathe, Kunst, Singen und Schreiben unterrichtet. In allen Fächern werden Anfangsbasics beigebracht. Im Englischen: My name is…, the numbers, the ABC, shapes, seasons, English songs… Preschool ist aber nur ein Teil des Tagesstundenplans:
1. Ab 7:30 Ankunft der Lehrer und Schüler
2. 8:30 Toilettengang
3. 8:50 Morning Assembly
4. 9:00 Frühstück
5. 9:45 Preschool + Circle time
6. 12:15 Toilettengang und Händewaschen
7. 12:40 Mittagessen
8. Danach: Schulschluss, Putzen, Mittagsschlaf der Kinder
Den gesamten Dezember über gab es Weihnachtsferien. Ende November konnte ich also die Graduation miterleben und am 11. Januar hat Day Care wieder begonnen. 
Mein Dezember:
Was habe ich also den gesamten Dezember über getan? Was macht ein Neuling, der weder Land noch Leute richtig kennengelernt hat, in ihren Weihnachtsferien? 
In der ersten Woche gab es ein kirchliches Camp in Pitsane. Und obwohl meine Setswana-Kenntnisse zu dem Zeitpunkt gegen Null strebten, wurde ich herzlichst aufgenommen und mir einige Sätze Setswana beigebracht.
 Früh morgens um sechs gab es ein Morgenappell, aufzustehen. Gefolgt wurde es von morgendlichen Sportübungen, Duschen und Frühstück.  Es wurde zusammen getanzt, gekocht, saubergemacht, gesungen und gebetet. Jeder Tag war anders und besonders auf seine Weise, da auch mit den Aktivitäten variiert wurde: Shakalaka zuhause bei einer Mitteilnehmerin gekocht - eine Talent-Show zum Thema „Gottes Liebe“ – „Appreciation Time“, an dem jedem gesagt wurde, was man an demjenigen wertschätzt – Gottesdienst – Bibelstudie. So viel Lebensgefühl habe ich bisher noch nicht erlebt! Als Beispiel: Hier bin ich die wohl Untalentierteste, was Tanzen anbelangt. Denn vom Babyalter an wird einem Tanzen beigebracht – so meine bisherige Erfahrung mit meinen Cousin/-en – wodurch so gut wie jeder meiner Ansicht nach richtig gut tanzen kann!
Zusammengefasst:Es war eine einzigartige unvergessliche Erfahrung mit viel Gelächter, Freude und strahlenden Gesichter! 
    
Die Wochen darauf bis Weihnachten habe ich schon damit gerechnet, dass ich nicht allzu viel zu tun haben werde und mir selbstständig Setswana, da Sprachkurs aufgrund der Ferien erst im Januar beginnen konnte, beibringen werde. 
Aber es kam doch anders:
Ich habe mich mit einigen Freunde getroffen, es gab etliche Braais (also Musik, Tanz und Shakalaka-Essen) und ich habe mit den Nachbarskindern und Cousins bzw. Cousinen gespielt. 
Dann, wenn ich keinerlei Pläne hatte, bin ich die Felsen hochgeklettert und habe mich dort in den Schatten gesetzt, Wasser getrunken und Setswana gelernt. Gegen Ende des Monats waren meine Setswanakenntnisse aber immer noch sehr gering. 
Ihr fragt euch bestimmt auch: Wie wird Weihnachten und Silvester in Botswana gefeiert? Die Frage werde ich euch nicht beantworten können; ich werde euch nur erklären können, wie ich mein Weihnachten und mein Silvester verbracht habe. Traditionell sei es Brauch, jedem neue Kleidung zu Weihnachten zu schenken, die auch gleich am 25. Dezember angezogen werden. Auch käme die Familie zusammen und es werde viel gegessen – das wurde mir von den Nachbarskindern und Amantle erzählt. Dieses Jahr aber hat meine Familie beschlossen statt Weihnachten, Silvester zusammen zu verbringen. Weihnachten war also nicht typisch „Mogotsi-Weihnachten“. Morgens um 9 Uhr bin ich für drei Stunden in die Weihnachtsandacht gegangen. Dort wurden auch weihnachtliche Lieder getanzt und gesungen, dessen Melodie, z.B. von „Alle Jahre wieder“, mir bekannt vorgekommen sind. Zuhause angekommen, waren alle außer Haus. Erst gegen vier, als ich mit nichts Weihnachtliches mehr gerechnet habe, kamen die Nachbarskinder vorbei und fragten mich, ob ich mit denen zu den traditionellen Chören gehen will. Es war interessant zu sehen, wie traditionell mit viel Gestampfe getanzt wird. Erst durch dieses Zusammensein mit den Nachbarskindern kam weihnachtliche Stimmung auf. Dafür bin ich denen, Anita, Leah, Bame, Sebaha und deren Freunde, sehr dankbar! 
Nachträglich wünsche ich allen „Frohes neues Jahr! - Ngwaga o mosha!“ 
Ich hatte einen einzigartigen Neujahrsübergang mit ein Großteil der Familie auf dem Cattlepost – ca. 300 km entfernt von Gabane, nahe Motokwe auf Kalahariboden. 
Von klein bis groß, alle haben mich in deren Aktivitäten einbezogen: Die Kinder zeigten mir tanzen, haben mit mir gespielt, haben mit mir Filme geguckt, sind mit mir Reiten gewesen und haben mir die Tiere auf dem Cattlepost gezeigt.
Mit den über 18-Jährigen habe ich viel geredet und diskutiert und war mit denen auf einer Neujahrsfeier, wo mir ebenfalls tanzen beigebracht wurde.
Und mit den Erwachsenen habe ich hauptsächlich saubergemacht und Geschirr gewaschen. 
Hier auf dem Cattlepost, weit weg von Zivilisation und Internetverbindung, konnte ich einen klaren Sternenhimmel genießen, viele Sternschnuppen sehen und unter freiem Himmel schlafen. Es wurde viel getanzt und gesungen und ich hatte viele erste Male hier: Erstes Mal auf ein Pferd gewesen. Erstes Mal eine wüstenähnliche Gegend gesehen. Erstes Mal auf einer Cattlepost gewesen. Erstes Mal Milch direkt von der Kuh in den Mund gespritzt bekommen. Erstes Mal Springbock gegessen…
Aber nicht alles war wunderschön: Es herrschte eine brütende Hitze, weswegen alle tagsüber im Schatten lagen, und im Haus haben sich alle Fliegen von der Sonne zurückgezogen. Und das Wasser, wenn es frisch gezapft wurde, war sehr salzig. 
Das sind aber alles mildere Kleinigkeiten. Insgesamt hatte ich unvergessliche 3 Tage auf der Cattlepost.
      
Mein Alltag jetzt: 
Seitdem Schule am 11. Januar angefangen hat, bin ich sehr beschäftigt. Drei Mal wöchentlich habe ich nach der Schule um 3 Uhr Sprachkurs. Wenn es kein Sprachkurs gibt, bleibe ich in der Schule bis spätestens 4 Uhr. Danach geht es zum Training; die erste Woche immer zum Karatetraining. Hier gibt es seit einigen Jahren ein Karateclub geleitet von Sensei  Sloky in einer Secondary School– hauptsächliche für Kinder und Jugendliche. 
Die ersten zwei Monate habe ich kaum Sport getrieben, was ich sehr vermisst habe – vorallem Taekwondo. Deswegen habe ich mich informiert, was für Kampfsportarten hier in Gabane praktiziert  werden. Da habe ich nur von Karate gehört. In derselben Woche, als ich Karate angefangen habe, habe ich zufällig über Facebook erfahren, dass es eine Taekwondogruppe in Gabs, nur 40min weit entfernt, gibt. Dienstags, donnerstags und samstags gibt es Training. Ich bin nun Teil der Taekwondofamilie. Dort gehöre ich zu den Seniors und Fortgeschritten, da ich immerhin auch schon 11 Jahre lang Taekwondo praktiziert habe. 
Neben Sport ist die Kirche ein sehr wichtiger Bestandteil meines hiesigen Lebens: ELCB (Evangelical Lutheran Church in Botswana) ist meine Hauptkirche, in der ich auch fast jeden Sonntag zum Gottesdienst gehe. Seit Ende November bin ich dem  Jugendchor beigetreten. Jeden Freitag wird ein neues Lied praktiziert, allerdings alles ohne Mitschrift. Ich verstehe also meist nicht, was ich singe, bzw. versuche zu singen. Aber durch ausgerechnet diese Unwissenheit macht es noch mehr Spaß, einfach sich auf den Chor, das Singen und die Tänze einzulassen.  
Dabei sollte erwähnt werden, dass es hier insgesamt vier Chöre gibt: zwei Erwachsenenchöre, ein Jugendchor und ein Kinderchor. Die Erwachsenenchöre und der Jugendchor sind auch in kirchlichen Veranstaltungen vertreten wie Begräbnisse, Hochzeiten, Tombstoneceremony etc.  Wir als Jugendchor haben auch ein Projekt in Metsimotlhabe, wo wir sonntags manchmal in der kleinen Kirche den Gottesdienst singend begleiten. Momentan wir die Kirche dort auch renoviert, damit es wieder attraktiver für Gottesdienste wird. 
Ende Januar haben einige Freiwillige aus dem Jugendchor bei der Renovierung geholfen, indem wir die kaputten Fenster ausgetauscht haben und demnächst mithelfen, das Stroh auf dem Dach auszutauschen. 
Neben dem ELCB-Gottesdienst habe ich auch rein aus Interesse und weil ich gefragt wurde, einmal teilzunehmen, einige Male den Gottesdienst der Universal Church besucht. Inzwischen habe ich auch dadurch Freundschaften geschlossen. Durch den Besuch der ELCB und der Universal Church wurde ich in meiner Annahme bestätigt, dass Gottesdienste hier traditionell viel lebhafter mit viel Gesang, Tänze und lebhaften Reden sind als die bisherigen Gottesdienste, an denen ich in mein Leben teilgenommen habe. Und ja! Ich würde jedem diese Erfahrung empfehlen – ein Gottesdienst hier ist eine Erfahrung wert! 
Hiermit will ich auch mein Rundbrief beenden.
Vielen Dank für eurer Interesse und eure Unterstützung! 
Über Kommentare, Briefe und E-Mails würde ich mich freuen!
Liebste sonnige Grüße aus Gabane – Fühlt euch alle umarmt!
Eure Lanrianna
 

 

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Kommentare

  1. 1. Hartmut Päper  |  23 Februar 2016, 12:25

    Hallo Lanrianna, super gemacht. Sehr interessant und mindestens genauso informativ. Man merkt richtig wie gut es Dir an Deinem Einsatzort gefällt und wie Du aufgehst bei der Arbeit mit den Kindern, die sich bestimmt, die sich sehr freuen so eine(n) nette(n)teacher zu haben. Ich wünsche Dir für Dein weiteres Wirken alles Gute und so viel Freude wie bisher.
    Hartmut

 

 

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