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Mein neues Ich

Autor: LanriannaPeters | Datum: 10 Januar 2016, 20:00 | 0 Kommentare

Ngwaga o mosha! Frohes neues Jahr! Ja, ich habe lange nicht von mir hören lassen, was daran liegt, dass ich mich versuche einzuleben. Seit dem 1. Dezember hatten wir Schulferien bis zum 4.1. Nein, ich habe keine großartigen Reisen unternommen; ich war den gesamten Monat über unter Freunden und Familie, habe neue Leute kennengelernt, habe versucht mir ein bisschen Setswana selber beizubringen, habe also mein neues Leben hier vor Ort gelebt. Und es ist um einiges spaßiger, spannender und interessanter als mein Leben bisher! Warum?

 

SPASSIGER: Das Leben hier ist sehr viel lebhafter. Nicht nur auf Veranstaltungen und Partys wird gesungen und getanzt, sondern auch in der Kirche oder wenn einem langweilig ist. Und zwar nicht nur die Jugendliche, sondern von Jung bis Alt! So steht im Gesangsbuch geschrieben, dass Tanz und Gesang einen existenziellen Wert in der botswanischen Gesellschaft haben und Lebensfreude und Licht in das Leben bringen. Spaßig wird das Leben auch dadurch, dass ich beides relativ von Punkt Null an lernen muss, was manch einer meiner Freunde sehr zum Lachen bringt. :D

 

SPANNENDER: Neue Kultur. Neue Sprache. Neue Umgebung. Neue Freunde. Alles neu und fremd. Botswana – spezifizierter: Gabane – ist Neuland für mich. Umso mehr freue ich mich auf dieses Jahr 2016, was für weitere Erlebnisse mir bevorstehen. :)

 

INTERESSANTER: Spannend und Interessant gehen Hand in Hand. Nehmen wir als Beispiel die Feiertage. Weihnachten und Silvester wurden beides ganz anders als zuhause in Deutschland gefeiert. Dazu so viel: 40°+ Weihnachten und Neujahrstart in der Kalahari ;)… (Dazu aber mehr in mein Rundbrief, der Ende Februar ansteht!)

 

Unter all diesen neuen Lebensumständen und Begebenheiten stelle ich mir die Frage:

                                               Verändere ich mich?

Nach zwei Monaten kann ich schon mit Zuversicht sagen: Ich bin nicht dasselbe Mädchen, das Deutschland am 10.11 verlassen hat.

 

Man sagte mir oft, dass ich zu schüchtern sei. Diese Eigenschaft existiert kaum noch.

1. Beispiel: Drei Wochen nach meiner Ankunft habe ich – ohne Setswanakenntnisse – an ein Camp teilgenommen, an dem auch drei aus der Kirchenyouth anwesend waren. Und ich habe alles mitgemacht: mitgetanzt, mitgesungen, mitgekocht, mitgelacht... Es war eine einzigartige Erfahrung! In unserer „Appreciationtime“ wurde mir dann gesagt, dass ich nicht schüchtern sei, dass ich hübsch, nett und süß sei und ein seltenes Talent der Anpassung hätte. Ich würde in die botswanische Gesellschaft hineinpassen – Alles Worte die mir sehr ans Herz gegangen sind. :)

2. Beispiel: Vor drei Wochen wurde ich plötzlich auf dem Nachhauseweg von einem Mädchen angesprochen (dass ich angesprochen werde, ist wiederum Alltag). Sie hat mich zu einem Gottesdienst in ihrer Universal Church eingeladen. Gestern hatte ich dann endliche Zeit gehabt, dort hinzugehen. In Kirchenkleidung. Und alle anderen waren in Jeans und Sneakers, da Jugendgottesdienst war. :D Es war ein atemberaubender Gottesdienst mit der Nachricht „Let the Spirit of God into you“. Und danach wurde noch kräftig getanzt. Und ich habe mitgemacht – zumindest versucht, aber mit Kirchenschuhen ist es doch ein wenig ungemütlicher ;).

Es gibt  noch VIELE weiter Beispiele. Was ich euch hiermit aber mitteilen will: Meine Schüchternheit habe ich im großen Maße überwunden! :)

 

Hier in Gabane angekommen dachte ich als erstes „Wie soll ich jemals mein Weg finden?“ (Keine Straßennamen) Und ja, sie ersten Tage habe ich mich auch sehr dumm angestellt. Meine Schwester hat auch lachend, nachdem wir das dritte Mal nach Hause gegangen sind, gesagt „What? You still don´t know the way home?“ Ich habe dann auf eigener Faust die Wege ein bisschen erkundigt. Mit Erfolg! Nachdem ich nach ein Monat auch wieder angefangen habe, zu joggen, kenne ich so gut wie alle Ecken und Wege. Und auch wenn ich irgendwo anders hinfahre, z.B. mit dem Combi nach Gabs, finde ich, nachdem mir einmal der Weg gezeigt oder erklärt wurde, den Weg ohne Probleme. Mein Orientierungssinn hat sich sozusagen ‚um Meilen‘ verbessert! Und auch wenn ich vom Weg abkomme, finde ich den Weg immer zurück ;). Ich bin dann nicht einmal hektisch, sondern die Ruhe in persona.

 

Ich war immer jemand, die einen konkreten Plan brauchte. Jemand, die 100% vorbereitet war. Das ist an für sich eine gute Eigenschaft, aber unmöglich hier einzuhalten! :D Alles ist spontan. Von einer Minute zur nächsten wird oft gesagt „Aree, let´s go!“ Ich bin es jetzt gewohnt, nicht sofort nachzufragen, wohin. Mit Freunden trifft man sich auch immer spontan (was ich in DE sehr selten gemacht habe). Auch die Weihnachts- und Silvesterplanung wurde an dem konkreten Tag spontan beschlossen ;). Und wenn es zufällig eine Planung gibt, dann wird sie eher selten ganz eingehalten (z.B. Sprachkurstermin).

 

Die ersten Tage habe ich immer auf die Uhr geguckt und bin schnellen Schrittes gegangen (für meine Schwester glich es einem Rennen und inzwischen gehe ich ruhigen Schrittes meines Weges). Aber schon eine Woche später sagte Amantle „I´ll teach you the botswana timing“. Also: Unpünktlichkeit. So etwas wie Pünktlichkeit ist hier weniger zu finden, weswegen ich auch oft belächelt wurde. Nichtsdestotrotz, meine Uhr bleibt ein treuer Begleiter. Ich bin fast immer pünktlich und nicht selten ist mit 1-2h Verspätung des anderen zu rechnen. Anfangs hat es mich SEHR verwirrt, jetzt sehe ich es gelassen. Eventuell kann ich ja ein gutes Beispiel für Pünktlichkeit setzen ;). Ich warte dann immer geduldig. Einige entschuldigen sich für ihre Verspätung, andere sagen „Lanni, you know you are too early!“

 

Ja, ich glaube an eine höhere Kraft und ich nenne es Gott! Viele mögen mich in Deutschland für verrückt halten, da die Wissenschaft ja auf alles eine Antwort zu finden glaubt. Aber hier ist es eine Normalität, religiös zu sein. Mehr noch, ein wöchentlicher Kirchengang ist bei den meisten ist Gang und Gebe. Und jeden Sonntag gehe ich morgens in die Kirche! Und ab jetzt auch zwischendurch samstags. :) Und durch dieses Lebensgefühl, das in deutschen Kirchen meiner Meinung oft fehlt, ist es kein Wunder, dass wir hier Kirche als Halt sehen. Es ist auch mein Startpunkt gewesen, wo ich Freunde gefunden habe.

 

„Lanni, du bist zu höflich“. Das habe ich oft in Deutschland gehört. Jetzt ist es aber genau im richtigen Maß. Hier ist es üblich, die Älteren und Gleichaltrigen mit der Höflichkeitsklausel „Mma“ und „Rra“ anzusprechen. Auch wenn nach einem gerufen wird, sagt man nicht „Eeh“ (Ja), sondern „Mma?“ oder „Rra?“ (den Fehler habe ich die ersten drei Wochen gemacht). Es ist auch üblich, Älteren ein Stuhl anzubieten und extra Stühle dazu zu holen, sowie jedem, wenn gegessen wird, Essen anzubieten, auch wenn sie uneingeladen waren. Das sind alles selbstverständliche Verhaltensweisen, die mich an Indonesien erinnern. :)

 

Ich bin die Jüngste von Vieren. Hier in Botswana ist es ein großer Rollentausch. Es stimmt, ich habe meine große Schwester Amantle, aber gleichzeitig auch viele jüngere Cousins und Cousinen und Nachbarskinder, denen ich eine Schwester oder Freundin gegenüber bin. Ich sei von den Kindern sehr geliebt. In der zweiten Woche wurde mich auch gesagt, dass ich zu nett und lieb denen gegenüber sei. Aber jetzt bin ich sowohl nett, als auch streng. Stück für Stück werde ich ernster genommen. Diese Autorität muss ich meinen Schülern gegenüber morgen auch ausstrahlen.

 

Ohne Selbstständigkeit, würde ich einsam nur zuhause herumsitzen. Die letzten zwei Sachen, um denen ich mich selbstständig gekümmert habe, waren meine Sportgruppe (Karate – fängt kommende Woche an) und mein Sprachkurs (ich habe meine Sprachlehrerin angeschrieben und ein Tag später hatten wir einen festen Termin vereinbart). Morgen 3Uhr also endlich mein erster Sprachkurs, zu dem ich auch selbstständig mit Combis den Weg finden muss. :D Da über Dezember Ferien waren, konnte es auch kein Sprachkurs geben und ich habe selbstständig versucht mir Setswana mithilfe eines „understanding everyday-setswana“ Buch beizubringen (paar Sätze und Worte ja, aber meistens verstehe ich immer noch kaum bis gar nichts).

 

Aber ich bin zuversichtlich, dass ich die Sprache schnell beherrschen werde. Und meine Zuversicht geht darüber hinaus. Ich glaube, mich hier sehr gut einleben zu können. Hier feste Freundschaften zu schließen. Hier eine dritte Heimat (neben Deutschland und Indonesien) finden zu können. Und dass ich durch dieses Auslandjahr erwachsener werde.

 

Auch einige meiner Freunde, die alle älter sind als ich, haben mir gesagt, dass ich für mein Alter eine sehr erwachsene Ausstrahlung habe. Lasst uns überraschen, was noch weiteres passieren wird. Ich bin gespannt auf meine neuen Schüler morgen. Ich bin gespannt, was 2016 für uns bereithält. Die Liste der Veränderungen kann noch weiter geführt werden, aber das sollte als guten Einblick in mein jetziges Leben ausreichen. Lasst es Euch allen gut ergehen! Ihr könnt Euch gerne bei mir melden (Fb, Whatsapp, E-Mail, Kommentar)!  Ich würde mich freuen. :)

 

Eure Dintlé

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